27Februar

Von Anderen lernen Eine Wohn-Pflege-Gemeinschaft für Bornheim?

Wir sind dankbar, dass wir immer älter werden. Mit dem Älterwerden ist jedoch unweigerlich verbunden, dass wir früher oder später an Leistungsfähigkeit verlieren, dass die Unterhaltung und Pflege des Hauses und des Gartens nicht mehr leistbar ist. Ideal ist es dann, sein Haus möglichst an ein Kind abzugeben und selbst in eine seniorengerechte, barrierefreie Wohnung umzuziehen. Da diese Form von Wohnungen in Bornheim dringend gesucht wird, gleichzeitig barrierefreie Wohnungen in Bornheim absolute Mangelware sind, ist die Unterstützung der Schaffung barrierefreier und behindertengerechter Wohnungen eine der großen kommunalpolitischen Herausforderungen in Bornheim.
Mit weiter zunehmendem Alter kommt dann ein Zeitpunkt, ab dem man
aufgrund altersbedingter körperlicher oder geistiger Einschränkungen (z.B. als Folge einer Demenz) nicht mehr in den eigenen vier Wänden verbleiben kann, weil man einen zunehmenden Unterstützungsbedarf hat.

 

Die Vorsitzende des Bürgervereins Neuburg a. Rh. Arnika Eck (Mitte) erläutert dem 1. Beigeordneten Otmar Dietz (links), Edmund Richter vom Seniorentreff (rechts) sowie dem Unterzeichner das Konzept und den Bauplan der Wohn-Pflege-Gemeinschaft „Am Dorfplatz“ in Neuburg

Eine für Menschen mit Unterstützungsbedarf sehr gut geeignete Wohnform ist die Wohn-Pflege-Gemeinschaft. Sie bietet gutes Wohnen, soziale Kontakte und bei Bedarf individuell angepasste Pflege- und Betreuungsleistungen. Bei einem Besuch in Neuburg konnte ich mich zusammen mit dem 1. Beigeordneten Otmar Dietz und Edmund Richter vom Seniorentreff hierzu bei der Vorsitzenden des Bürgervereins Neuburg Arnika Eck umfassend informieren.

 

Das Gebäude der Wohn-Pflege-Gemeinschaft Neuburg vor der Baufertigstellung

Ziel der allermeisten Menschen ist, auch bei Pflegebedürftigkeit im gewohnten Umfeld, das heißt im bisherigen Wohnort zu bleiben. Die Wohn-Pflege-Gemeinschaft ist eine ortsnahe Alternative zwischen häuslicher und stationärer Pflege.
Charakteristisch ist: Die Bewohnerinnen und Bewohner der Wohn-Pflege-Gemeinschaften haben jeweils ein eigenes Zimmer, in das sie oder er sich zurückziehen kann. Die Gemeinschaftsräume stehen allen zur Verfügung. In der Küche wird gemeinsam gekocht, in der Regel mit professioneller Begleitung. Die Bewohnerinnen und Bewohner beauftragten Dienstleister ihrer Wahl mit Unterstützungs- und Pflegeleistungen. Angehörige, Freunde, Nachbarn und Ehrenamtliche können diese Leistungen ergänzen.
Wichtig ist, dass das Gebäude innerorts steht und die Infrastruktur wie Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie, Kirche, Friedhof, Dorfgemeinschaftshaus, Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr etc. auf kurzen Wegen erreichbar sind.
Wohn-Pflege-Gemeinschaften lassen sich unterscheiden in selbstorganisierte Wohngemeinschaften und ambulant betreute Wohngruppen. Ambulant betreute Wohngruppen, in denen ältere Menschen mit Pflege- und/oder Unterstützungsbedarf zusammenleben, werden im Gegensatz zu selbstorganisierten Wohngemeinschaften in der Regel von ambulanten Pflegediensten, Wohnungsgesellschaften und anderen Leistungserbringern gegründet. In solchen eigenständig betreuten Wohngruppen mit bis zu zwölf Bewohnerinnen und Bewohnern können Pflege-, Teilhabe- und andere Unterstützungsleistungen und Verpflegung von unterschiedlichen Anbietern individuell gewählt werden. Lediglich die Gesamtversorgung wird bei dieser Wohnform von einem der Anbieter oder vom Vermieter organisiert.
Diese Wohngruppen werden wie privater Wohnraum gewertet, wenn sie nach dem Landesgesetz alle dafür nötigen Voraussetzungen erfüllen, die auch an selbstorganisierte Wohngemeinschaften gestellt werden.
Das Land fördert den Aufbau von Wohn-Pflege-Gemeinschaften. So bietet die
Landesberatungsstelle Neues Wohnen (Bereich PflegeWohnen) niedrigschwellige Beratung für Initiatoren und Bewohner zu allen Fragen der Organisation. Mit dem Projekt "WohnPunkt RLP" werden gezielt ländliche Dörfer bis 3.000 Einwohner bei der Errichtung einer Wohn-Pflege-Gemeinschaft unterstützt. Mehrere Förderinstrumente des Landes sind für Wohn-Pflege-Gemeinschaften geeignet. Besonders darauf zugeschnitten ist das Programm „Förderung von Wohngruppen und Wohngemeinschaften“ mit zinsgünstigen Darlehen und Tilgungszuschüssen im Rahmen der Sozialen Wohnraumförderung. Nähere Informationen dazu erteilt die Wohnberatung der Investitions- und Strukturbank (ISB).

Aus meiner Sicht sind für Bornheim neben dem Zubau barrierefreier und behindertengerechter Wohnungen die Schaffung einer Wohn-Pflege-Gemeinschaft mit 12 Betreuungsplätzen und die Schaffung von Räumlichkeiten für eine Tagespflege eine für ein gutes Leben im Alter notwendige kommunalpolitische Schwerpunktaufgabe. Vorrangig ist es, einen geeigneten Standort für ein solches Projekt innerorts zu suchen und über ein Vorkaufsrecht zu sichern. Die Investition in die Gebäude kann durch einen Dritten erfolgen.

Für eine Rückkopplung, was aus Bürgersicht in Bornheim für ein gutes Leben im Alter gewünscht wird, bin ich dankbar.

Karl Keilen, Ortsbürgermeister

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